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Survivaltraining an der Lesum?
ein Bericht von Werner Münch, Brunsbüttel

Unser diesjähriges Frühjahrstreffen (2002) war wohlweislich auf einen etwas späteren Termin gelegt worden, nämlich in den Juni, wo man im allgemeinen mit herrlichem Wetter rechnen kann. Das Treffen war sorgfältig vorbereitet, so wie wir es von Peter Schmidt, unserem stellvertretenden Obmann, kennen. Dafür vielen Dank, Peter. Auch Dir Danke, liebe Bärbel, dass Du zur Vorbereitung extra Urlaub genommen und Deinen Mann unterstützt hast. Unser aller Dank geht an den TURA Bremen für die erwiesene Gastfreundschaft auf ihrem wunderschönen Platz an der Lesum!

Dass wir im Juni jedoch würden testen können, wie viel Regenwasser von oben und wie viel fließendes Wasser von der Wiese her unsere Zelte aushalten, ehe sie sich unter absingen schmutziger Lieder in die gurgelnde Wasserhölle verabschieden, das hat weder Peter noch einer von den Teilnehmern erwartet. Erst der Morgen des Abreisetages (Sonntag) war wieder einer von den schönen und man konnte immerhin das Zelt vor dem Einpacken trocknen lassen.

Um fair zu bleiben, muss ich sagen, dass der Abend am Anreisetag, dem Donnerstag, noch sehr angenehm war. Wir saßen bis spät in die Nacht draußen in der Klönschnackrunde zusammen. Über unseren Köpfen schossen Fledermäuse durch die Luft und hielten uns weitgehend mückenfrei. Nur wo die Fledermäuse nicht hinflogen (kurz über der Grasnarbe, in Höhe unserer ungeschützten Fußgelenke) da konnten die Mücken dann tun, wozu die Natur sie zwingt: Paddler dort zu stechen, wo sie sich während der Fahrt nicht so ohne weiteres kratzen können. Nach der beruhigenden Auskunft unseres transsylvanischen Fledermausexperten Wolfgang, hätten wir es jedoch mit einer harmlosen Art zu tun. Die Sorte, die sich nicht mehr mit Mücken abgibt und lieber den Paddler nimmt, sei das da oben allem Anschein nach nicht.

In der Klönrunde stand diesmal nur ein Kasten Bier. Es waren kaum neue Einzelmitglieder gekommen. Dennoch waren wir gut 40 Leute! Ulli hat Fotos herumgehen lassen, die er übrig hatte, weil er sie nicht in sein eigenes Album einkleben wollte. Wer wollte, konnte sich eins davon nehmen. Das ist der Vorteil, wenn man seine Bilder nicht mit der “Genitalkamera” macht, meinte er. Erst später am Abend, kamen Peter Krecker, unser EM-Obmann, und Susanne Wiebusch beim TURA Bremen an. Wegen Stau am Elbtunnel. Peter meinte, das wäre aber nicht so schlimm gewesen, sie hätten ja den Wohnwagen dabei gehabt. Noch später am Abend (es war schon fast dunkel), kam Heinz Ohm auf den Platz. Mit dem Zeltaufbau hat er kein Problem, denn seins baut sich quasi auf Knopfdruck von allein auf. Auch im Dunkeln. Nur den Schlafsack muss er irgendwie reinkriegen. Noch später am Abend (es war schon dunkel), kam eine junge Frau (dies nur an der Stimme und den Bewegungen des noch dunkleren Schattens in der dunklen Nacht mehr erahnt als gesehen), zu unserer Runde dazu und ließ Erdnüsse zum Selberknacken rumgehen. Es war Freya, die mit ihrem kleinen Sohn Helge erst zwei Tage zuvor bei den Einzelmitgliedern eingetreten ist. Helge wurde am Samstag eine besondere Aufgabe übertragen. Ich finde es schön, dass von den vielen Familien, die wir unter den Einzelmitgliedern im Verband haben, immer wieder mal welche mit ihren Kindern zu einem Treffen kommen. Aber es ist schade, wenn es bei dem einen Mal bleibt, weil ihnen zu wenig andere Kinder da waren. Da das anscheinend aber jede Familie denkt, können sie sich auch nicht begegnen. Außer durch Zufall. Liebe Familien mit Kindern: Meldet Euch gerne zu unseren Frühjahrs- und Herbsttreffen an! Dann finden Eure Kinder sicher auch Spielkameraden. Die Fahrten können gern auch nach den Bedürfnissen der Familien ausgerichtet werden. Zum Beispiel, indem eine Profigruppe und eine Familiengruppe geführt wird, deren Anforderungen entsprechend angepasst werden.

Und dann der Freitagmorgen. Bremen. 8:00 Uhr. Wieder mal Regen. Die Frisur sitzt! Dank Mumienschlafsack und Paddlercap. Peter Krecker rief: “Fahrtenbesprechung um vüddel vor neun an der Gartenbar!” “Oja! Für mich `ne Caipirinha!” rief ich aus dem Zelt. Die Regenmenge wurde für das Frühstück vor den Zelten und für das “briefing” durch Peter Schmidt, etwas gedrosselt. Erst zur Kolonnenfahrt nach Waakhausen wurde wieder aufgedreht. Zuvor hatte der gute Heinz Ohm für alle (!) so um die 40 Brötchen geholt und unter der Gartenbar der TURA zum Weiterverkauf zum Selbstkostenpreis angeboten. Das hat er jeden Tag gemacht. Brötchen gehören ja möglichst dazu und sie halfen manchem über Engpässe in der Proviantplanung hinweg. Proviant ist, wo wenn man keinen hat, man sich welchen besorgen muss. Oder so ähnlich. Vielen Dank noch mal, Heinz. Auch für die österreichische 20-Cent-Münze (meine erste).
Weil wir mit so vielen Autos fahren mussten, wurden zwei Kolonnen gebildet. Susanne hoffte, dass sie ihren Convoi sicher auf direktem Wege nach Waakhausen bringen würden und nicht wieder den ALDI-Parkplatz in Ritterhude zur Neuformation zweckentfremden müssten. ALDI (Ritterhude) wurde verschont. Stattdessen führte Peter K. aus T. uns nach Oslebshausen. Auch nicht schlecht. Da fand er allerdings keinen ALDI-Parkplatz und so mussten wir einen Schotterplatz nehmen. Peter war sich ganz sicher, dass zwei oder drei LKWs vor dem Wegweiser gestanden haben müssen....

Vom DKV-Platz in Waakhausen ging es im lockeren Verbund durch die Semkenfahrt zur Hamme und zum WWV Ritterhude. Dort machten wir auf Bänken unter dem Vordach des Clubhauses Mittag. Auch hier herzlichen Dank an diesen Verein für die Gastfreundschaft, die unserer großen Gruppe gewährt worden ist! Das ist vielleicht nicht selbstverständlich und wir freuen uns ganz besonders darüber! Und die Landschaft an Hamme und Wümme ist schön. Auch im Regen. Wir malten uns aus, wie schön es erst bei Sonnenschein sein muss! Toll!

Die traditionelle Kaffeetafel machten wir noch draußen (kein Regen in der Zeit), aber der Klönschnack abends, wurde im Bootshaus des TURA abgehalten. Besser ist das. Spät nachts regnete es noch mehr und im Gegensatz zu allen bekannten Prognosen, regnete es den ganzen Tag über ohne Unterbrechung. Nur die Mengen pro Zeiteinheit variierten etwas. Einer wollte wieder abreisen und klagte, er sei doch nicht Rüdiger Nehberg! Das trübe Wetter hat den Hahn, den wir aus der Nachbarschaft hörten, wohl auch etwas irritiert. Er wusste zum einen nicht, wann er denn nun krähen soll und zum andern schien er einen etwas blasiert klingenden, britischen Akzent zu haben, wie Manfred meinte. Es klinge eher wie “cookerookoo!” als nach “kikerikiiii”, übersetzte er mir beim Frühstück. Das konnte ich nachvollziehen.
Zur morgendlichen Fahrtenbesprechung am Samstag überraschte Peter Schmidt uns mit der Bitte um Meldung eines Freiwilligen für eine besondere Aufgabe. Sofort meldete sich der kleine Helge! Auch als Peter die Anforderungen nannte, nämlich: Körperlich fit, musikalisch mit sicherem Taktgefühl und geübt im Umgang mit Tauwerk, blieb Helge dabei und bekam dafür Beifall. Seine Aufgabe wurde es, die Glocke an der Schleuse (Dammsiel) zu läuten und den Schleusenwärter aus dem Bett zu holen.

Hermanns Zweier war schon unten am Ponton des TURA, während Hermann dabei half, zuerst die anderen Zweier und Kanadier hinunter zu schleppen (ganz schön steil bei fast 3 m Tidenhub!). Dann stiegen er und Elke ein, machten die Spritzdecken zu und legten mit vollem Schlag los! Es ging unerwartet schwer voran. Elke dachte: “Mann, so stark kann das doch nicht mehr ablaufen?!” und Hermann trat auf den Pedalen herum und ärgerte sich über das Steuerblatt, das anscheinend wieder mal im Steg festgeklemmte. Dann machte es “flusch!” und der Zweier kam ein, zwei Meter zurück. Also noch mal! Mit voller Kraft in die Paddel und mit Schwung gegen die Strömung. Doch nach ein paar Schlägen war `s schon wieder vorbei. Die Kameraden auf dem Ponton gerieten ins Schwanken. Wie bei starkem Seegang. Aber das Gelächter der anderen am Ufer und auf dem Steg, ließ in Hermann und Elke den Verdacht aufkommen, dass etwas anderes nicht stimmte. Und so war es auch: Das Boot war am Heck noch angebunden! Armer Hermann, der Spott war ihm sicher, aber er steht da in menschlicher Größe drüber. Auch über den Vorschlag, demnächst beim Schlepperballett im Hamburger Hafen mitzumachen und sein nächstes Boot “Parat” oder “Bugsier 30” zu taufen.

Unterwegs auf der Kleinen Wümme unterhielt ich mich mit einem hier ungenannt bleiben wollenden Paddler (vermutlich Ingenieur oder Marinesoldat) über Seepocken auf dem Rumpf des Kajaks und ihren Einfluss auf die laminare Strömung des Wassers, als Ursache für geringere Reisegeschwindigkeit und höheren Kräfteverzehr, mit der Folge, als letzter der Gruppe paddeln zu müssen. Ich habe nachgeguckt (nass war ich sowieso schon). Bei mir waren keine Seepocken oder Muscheln dran. Dann war das wohl nur eine Ausrede.

Macht’s gut Paddlers! Bis zum nächsten Mal!

Euer Werner aus Brunsbüttel


Landes-Kanu-Verband Schleswig-Holstein e.V.
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