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Erschließung von Bosau-Paddelby
ein Bericht von Werner Münch, Brunsbüttel

Nach meinen Bremer Erfahrungen mit den Künsten unseres stellvertretenden Obmannes und Regenmachers Peter Schmidt, habe ich mit dem Schlimmsten für Bosau gerechnet. Ich wollte mir gleich nach dem Treffen an der Lesum einen Südwester kaufen. Meine Frau hat mir dann ein Prachtstück zum Geburtstag geschenkt. Und wie das so ist mit solchen Dingen, hat es seither auf keiner einzigen meiner Touren mehr geregnet. Den Südwester hatte ich immer dabei. Jetzt in Bosau auch. Um das statistische Risiko für Dauerregen weiter auf Beinahe-Null zu senken (für die Fachleute: mit 3 Sigma wäre ich zufrieden gewesen), habe ich mir auch ein neues Zelt geleistet, das 6000 mm Wassersäule von oben und 8000 mm Wassersäule vom Boden her standhält. Wie auch immer das gehen soll. Außer einigen Tautropfen hat es keiner Nässe widerstehen brauchen. Ob das nun reine Statistik, Magie oder Aberglaube war, weiß ich nicht. Geholfen hat es jedenfalls.

Danke Peter und Danke Bärbel! Ihr habt das Treffen wieder prima organisiert! Auch der Zeltplatz auf dem Gelände der DJO in Bosau war super für die vielen Paddler. Fünfundsechzig Leute hatten sich angemeldet. Sogar eine Familie aus Nordrhein-Westfalen! Es waren diesmal wieder mehr Kinder dabei. Und viele neue Einzelmitglieder. Aber auch einige, die ich schon lange nicht mehr gesehen hatte! Schön dass Ihr mal wieder vorbei geschaut habt! Schade nur, dass Heinz 'das Brötchen' Ohm nicht da war! So gab es leider keine frischen Brötchen und auch nicht seine nette Gesellschaft.

Unsere Freunde mit den Wohnwagen hatten ein Stromproblem. Die einzige Möglichkeit Strom abzuzapfen, lag über 200 Meter weit entfernt. Nicht jeder hat standardmäßig ein Verlängerungskabel dieser Kategorie dabei. Darum wurde alles an Kabeln zusammengestöpselt, was sich finden ließ. Dazwischen mußten an mehreren Stellen Verteiler und Adapter für die Zuleitungen und Anschlüsse der Wohnwagen untergebracht werden. Ich hatte diesmal (ganz zufällig...) ein 25m-Kabel und eine Fünffach-Steckdosenleiste dabei. Bernd, einer der neuen EM und studierter Stadtplaner, hätte die Organisation und Errichtung der Stromversorgung unserer Paddlerstadt sicher mit links gemacht, aber er war leider noch nicht da. Also haben Hermann, Fred, Achim und ich improvisiert. Unerwartet wurde mein Kabel zur Lebensader für alle. Auch meine 12-Volt-Kühlbox konnte über den Gleichrichter angeschlossen werden und rettete meinen kostbaren Proviant über die heißen Tage. Das Abzweig-Problem entstand für jeden später ankommenden Wohnwagen neu. Zum Glück hatte jeder irgendwas an Bord, mit dem das Stromnetz Bosau-Paddelby weiter ausgebaut werden konnte.

Ab 19:00 Uhr trafen wir uns oben an der Feuerstelle zur offiziellen "Beschnackung" und dem anschließenden geselligen Teil. Peter Krecker begrüßte uns zum Treffen 2003. Vor allem diejenigen, die zum ersten Mal gekommen waren. Peter Schmidt erklärte uns, wie der Platz funktioniert und wie die Touren am nächsten Tag ablaufen sollten. Gestärkt mit ausreichend Bier von edlen Spendern und gutem Chianti von Monika, begannen einige Paddler alsbald mit den konkreteren Berechnungen für eine Wasserversorgung für unsere Siedlung. Andere planten inzwischen den Bau eines Bootswagenlifts hinunter zur Einsetzstelle am See. Zu fortgeschrittener Stunde wurden all diese Planungen mit Überlegungen zur Ansiedlung eines gut sortierten Kiosk, eines Outdoorshops und einer Bäckerei für unser Dorf abgeschlossen. Bei all dem wurden Knabbereien herumgereicht. Allerdings waren es so viele, dass man kaum zum Essen kam, weil man dauernd irgendeine Schüssel oder Tüte weiterzureichen hatte. Da fehlte der Service von Miriam und den anderen Kindern, die das Catering in Friedrichstadt 2001 übernommen hatten. Später, als die Aussprache von vielen zwar lauter, aber zunehmend undeutlicher wurde, und gleichzeitig die Berichte über die Ausmaße gesichteter Wale auf den Extrempaddeltouren immer phantastischer wurden, schafften Fred und Dieter Feuerholz herbei und Lothar entfachte in wildniserprobter Weise ein Lagerfeuer für uns.

Am Sonnabend gingen wir auf Große-Plöner-See-Rundfahrt. Weil Wind mit vier Bft. angesagt war, hatte Peter Schmidt am Abend zuvor zwei Gruppen bilden lassen. Die Gruppe mit den Kindern, den offenen Canadiern und den "weniger Sportlichen", wurde von Peter Krecker und Susanne Wiebusch im Windschatten bis zur Prinzeninsel geführt. Rainer war mit seinem Canadier 'Kermit' der Kinderbus. Er tat es gern, weil er dadurch auch mal besser getrimmt und nicht im 45 Grad-Winkel durchs Wasser pflügen konnte. Allgemein wurde der Paddelstil bewundert, mit dem er seinen schweren Koffer vorantreibt. Wir glauben, er könnte auch mit 'nem Spaten so gut paddeln, und das sogar im Stehen.

Die "sportlicheren" fuhren mit Seitenwind aus West in Richtung Plön. Es gab dann doch kaum Wellen. Jedenfalls nicht nach unseren Maßstäben. Mittags rasteten wir ausgiebig an der Badestelle bei Fegetasche. In Plön steht nicht weit vom Nordufer des Großen Plöner Sees ein schlanker Turm. Ich fragte: "Ist das ein Wasserturm oder ein Leuchtturm?" Maik sagte: "Is' doch logisch! Das ist ein Wasserturm. Der steht ja auch am Wasser!" Fand ich nicht, schließlich stehen Leuchttürme auch am Wasser. Nur Beate sagte, praktisch wie Frauen nun mal sind: "Mann! Hier ein Leuchtturm? Wir sind doch nicht am Meer!" Ja. Stimmt. Also doch bloß ein Wasserturm.
Wir paddelten durch die Rohrdommelbucht und trafen an der Südspitze der Prinzeninsel die Windschattenfahrer. Aus Solidarität machten wir noch eine Rast. Gute Entscheidung: Denn Bärbel zückte zum zweiten Mal ihre Tasche voller Süßigkeiten und ließ jeden hineingreifen. Als seine Gruppe wieder eingebootet war, blies Peter Krecker als Startsignal in sein Horn. Dessen Klang reizte Maik zu der Frage: "Watt heißt dat denn? Der Wal is' tot? Oder watt?"
Wir ließen der Gruppe zwanzig Minuten Vorsprung und paddelten in Ruhe diagonal über den See Richtung Bosau-Paddelby. Zum x-ten Mal zählte Peter Schmidt seine Flotte und stellte fest, dass einige Boote fehlten. Die waren anscheinend mit der anderen Gruppe gestartet, denn es schwamm nichts kieloben im Wasser. Am Strand war auch nichts zurück geblieben.
Über der tiefsten Stelle dieses Seeteils, hörte ich plötzlich von schräg hinten das Wasser stärker rauschen. Nanu? Mehr Wind? Nein. Motorbootwellen? Erst recht nicht. Das Ungeheuer vom Plöner See? Nö. Doch dann bemerkte ich eine Preetzer Galeere, die sich mit einem 120er Schlag von hinten näherte. Wollen die mich versenken? Ich zog schneller durch und wich nach Steuerbord aus. Schwein gehabt! Elke und Hermann schossen mit ihrem neuen Boot vorüber und brachten mich mit
ihrem wirbelnden Kielwasser in Schwierigkeiten. Die wurden wohl von Nøkken geritten, hä!?

Wir trafen etwa gleichzeitig mit den Waljägern am DJO-Gelände ein. Sogleich ging es ans Kaffee kochen für die traditionelle Kaffeetafel. Mit über 60 Leuten wurde die Tafel ziemlich lang. Passend zu unseren Planungen vom Vorabend wäre "Kaffeestraße", statt Kaffeetafel der treffendere Ausdruck gewesen! Sie war schon bald so lang, dass sie nur noch aus der Luft ganz aufs Foto passte. Darum sind Beate und Peter Schmidt todesmutig auf das Dach von Beates Wohnmobil gestiegen und haben die ersten Luftaufnahmen vom Bau des neuen Stadtteils gemacht. Was ihr hier seht, war noch nicht der Endausbau!


Foto: Peter Schmidt

Währenddessen versuchte ich mich an Mannis wirklich frischem Schokoameisenkuchen. Oder Ameisen-Schokokuchen. Ich bin da etwas pingelig und sortierte die Ameisen herunter. Sie waren wegen des krümeligen, braunen Teiges nicht einfach zu erkennen. Eigentlich nur an ihren Bewegungen. Eine habe ich versehentlich mitgegessen. Sie hat sich gewehrt. Aber weder sie noch ich hatten wirklich eine Chance. Während wir weiter nach Ameisen puhlten und Kuchen aßen, übergab Peter Krecker an Beate und mich LKV-Whisky-Gläser als kleines Dankeschön. Für Peter Schmidt hatte er eine Dose Fisch. Angeblich als Dank für seine Arbeit für die Einzelmitglieder. Aber es war wohl eher eine kleine Anspielung auf den entgangenen Fisch in Rendsburg. Fehlte mal wieder nur das Brötchen, Heinz.

Bis zum Abend blieben die meisten Paddler bei den Zelten und Wohnwagen. Überall bildeten sich Grüppchen, in denen eifrig neueste Erfahrungen und Erlebnisse ausgetauscht wurden. Ab und zu wanderte mal jemand von einer Gruppe zur nächsten und ließ sich erneut auf `nen Schnack ein. So lange, bis der Magen “Kuchen ist weg! Abendbrot kann rein!!” knurrte. Weil das notwendige, ausreichend große Restaurant erst im Planungsverfahren steckte, ging es ganz klassisch ans köcheln. Der Lärm von Benzinkochern, das Surren von kleinen Gasflämmchen und der Qualm von Grills machten auch dem letzten klar, dass es Zeit für das Abendessen war. Manfred gab seinen Jungs Suppe. "Schmeckt gut die Binsensuppe!", sagte Nico. Noch ehe alle Teller wieder sauber geleckt waren, bildete sich bereits ein kleiner Kreis aus Campingstühlen auf einer Fläche zwischen zwei Zeltreihen, denn es waren nun Jugendliche von der DJO da oben an der Feuerstelle. Der Kreis wurde nach und nach erweitert. “Hoffentlich haben die Spender das Bier von unserem Thingplatz gestern Abend wieder mitgenommen!” sagte jemand voller Sorge. Denn die osteuropäischen Jugendlichen hätten damit gewiss auch etwas anfangen können. Es gab noch reichliche Vorräte an Naschereien, die mit irrem Tempo die Runde machten. Diesmal aber weniger Chips und Salzstangen, als vielmehr solche von der Sorte Gaumenspalter, Zungenpiercer und Plombenzieher. Letztere sind in der Folge möglicherweise für kurzfristig erhöhte Quecksilberwerte im Wasser des Sees verantwortlich. Während die einen lebhafte Gespräche führten, beschäftigten sich andere damit, ganz in Gedanken versunken und vermeintlich unbeobachtet, ihren Nasen extrazelluläre polymere Substanzen zu entwinden und illegal zu entsorgen.

Ich unterhielt mich eine Zeit lang mit “Wolle” und seiner Tochter Mareike aus Lauenburg. Sie sind neue Einzelmitglieder. Wolle ist Tischlermeister und kam mit einem selbst gebauten Knickspant-Seekajak aus Abachiholz zum Treffen! Er wurde nicht müde, interessierten Paddlern vom Bau des Bootes zu erzählen. Es war zwar noch nicht ganz fertig, sah aber schon toll aus. Er hat drei Jahre (brutto) daran gebaut. Er hatte keinen Bauplan, sondern lediglich eine Seitenansicht und eine Draufsicht. Alles ohne Maßstab! Das Boot ist also fast ein eigener Entwurf. Wolles Tochter Mareike ist zehn Jahre alt und meiner Meinung nach ein Paddeltalent. Alles, was sich in Blickrichtung mit `nem Stück Holz vorantreiben lässt, kann sie sofort paddeln! Das hat mich beeindruckt. Sie sagte, dass ihr das EM-Treffen gefällt. Mit Miriam hat sie sich gut verstanden. Sie wünscht sich nur, dass noch mehr Kinder dabei sind. Vor allem Mädchen in ihrem Alter.

Am zweiten Morgen im Waschraum: “Boah! Du bist ja schon braun, Rainer!” sagte ich nach dem “Moin-Moin!” “Ja. Nur zwei Paddeltage haben ausgereicht.” “Und? Hattest Du auch schon zu viel Sonne?” Und er: "Ja. Ehe ich merkte, dass die Sonne schien, hatte ich schon einen Sonnenbrand." Ich sah nicht so gut aus. Ganz weiß. Oder eher gelb. Dabei dachte ich, dass ich auch schon ein bisschen Farbe bekommen hätte. Kann aber auch am Rotwein liegen. Es muss einen direkten Zusammenhang zwischen der Menge an Rotwein und dem vorübergehenden Auslöschen von Hautpigmenten geben...


Aufbruch zur Sonntagstour
Foto: Werner Münch


Die Sonntagspaddeltour machte die ganze Gruppe gemeinsam. Es war für die “sportlicheren” zwar teilweise die selbe Strecke wie tags zuvor, aber da man unterwegs andere Gesprächspartner hatte, war es doch wieder interessant. Als Kerstin die Schottischen Hochlandrinder am und im Wasser sah, rief sie spontan: "Guck mal! Da stehen ja Wasserbüffel!" Daraufhin unterbrachen die Tiere kurzzeitig ihren Mastikationsprozess und glotzten ihr beleidigt hinterher.

Am Strand des Campingplatzes am Vierersee gab’s das zweite Frühstück. Susanne, Alfred, Manni und ich testeten das Holzseekajak von Wolle. Die Zigarrenkiste ist vielleicht schnell! Mannomann! Und kippelig! Da knickt nicht nur der Spant, sondern auch der Gleichgewichtssinn! Die am Ufer hofften, dass wenigstens einer kentert. Vorzugsweise ich. Aber nix da! Sind wir Seekajakfahrer oder nicht? Trotzdem habe ich mir vor Aufregung die Schwimmweste verkehrt rum angezogen. Ich hätte den Reißverschluß von oben nach unten schließen müssen. Das sah irgendwie doof aus. Außerdem behinderte es so die Rundumsicht. Wahrscheinlich hätte die Weste im Ernstfall aber trotzdem was geholfen. Sonst bin ich nicht sehr eitel, aber ich habe sie dann doch wieder rumgedreht.
So mancher Paddler nutzte die Gelegenheit, an diesem Wochenende andere Boote zu testen. Dieser oder jener wird eine Kaufentscheidung gewiss überdenken. Und die Eine oder der Andere waren danach sicher, dass sie das richtige Boot bereits haben. Auch dafür sind solche Treffen gut!

Jeder erlebt so ein Paddlertreffen ein wenig anders. Ich kann Euch nur erzählen, wie ich es erlebt habe. Und mir hat es gefallen!

Bis zum nächsten Mal!

Euer Werner


Landes-Kanu-Verband Schleswig-Holstein e.V.
http://www.kanu-sh.de/