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STROM UND STRÖMUNG
ein Bericht von Werner Münch, Brunsbüttel

Üblicherweise halten wir Einzelmitglieder unsere Treffen ja eher im Frühjahr ab, doch in diesem Jahr wurde es nach langer Zeit wieder ein Herbsttreffen. Es hat seinen eigenen Reiz, sich so kurz vor dem Saisonende zu versammeln und dafür war der schöne Zeltplatz des Kanuwander- und Ferienheims vom Hamburger Kanu Verband e.V. in Barum genau richtig!

Ich habe meine Tochter Jennifer und ihren Freund Ben als Gäste mitgebracht. Jenny war seit etwa sieben Jahren nicht mehr dabei und Ben saß eben zum zweiten Mal im Boot und ist ganz begeistert vom Paddeln. Als uns Peter-2 begrüßte, sagte ich zu Ben: „Das ist Peter Schmidt, unser stellvertretender EM-Obmann. Die korrekte Anrede lautet 'Durchlaucht'. Daran solltest Du Dich halten, wenn Du Dir den Kerker ersparen willst!“ Aber Peter winkte ganz bescheiden ab und meinte: „Peter genügt.“ Drei neue Einzelmitglieder waren auch gekommen: Behrendt (Nein, das ist der Vorname!), Birgit und ihr Mann Peter (als Peter IV.). Birgit trägt beim Paddeln einen leuchtend roten und einen knallgrünen Gummischuh mit farblich dazu passenden Wollsocken. Wir rätselten, ob es die Folge einer Rot-Grün-Schwäche, oder ein Links-Rechtsproblem ist. Grün = Steuerbord und Rot = Backbord. Beim offiziellen Teil der abendlichen „Beschnackung“ erfuhren wir zu unserer Bestürzung, dass unser Freund Hermann an seiner schweren Krankheit gestorben ist. Das tut uns sehr leid und wir denken an ihn und Elke.

Die Klönrunde am Abend war dennoch so unterhaltsam wie immer. Und weil es recht früh dunkel wurde, holte Bernd eine Gartenfackel und entzündete sie neben den Bierkästen von Achim, Dirk und Monika. Achim hatte Geburtstag und die beiden anderen haben sich Kajaks angeschafft. Beides gute Gründe einen auszugeben. Danke noch mal!

Beim feuchten Frühstück am Samstagmorgen, sah man Bernd ganz alleine mitten auf der Wiese an einer bestimmten Stelle nach etwas suchen und mehrmals irgend etwas undefinierbares mit spitzen Fingern aufklauben. Ich fragte ihn, ob er nach Regenwürmern zum Angeln suche. Und Peter Krecker reklamierte ein Dutzend Schnecken für sich. Aber Bernd rückte wieder ab, ohne etwas von seinem Fund abzugeben. Später kam ich drauf, dass er Wachstropfen von seiner Fackel aufgesammelt haben muss. Das fand ich sehr anständig von ihm!

Nachdem die für manche immer wieder schwierige Auto-Umsetzaktion hinter uns lag, ging es auf die Neetze mit Kurs auf den Elbe-Seiten-Kanal. Ehe Fischhausen erreicht war, hatte Peter II geklärt, wer heute mit zum Fischessen kommen wollte (nämlich alle!). Er stieg kurz aus und bestellte die Tische für den Abend. Leider müssten wir schon recht früh dort sein. Dies lag am Nichtraucherschutzgesetz und einem mangelnden Raumangebot im Restaurant. Der frische Nordwestwind wäre auf der Elbe für Jens, dem einzigen Kanadierfahrer, ungünstig gewesen. Darum kehrte er nach der Pause wieder um. Wir anderen trugen unsere Kajaks in den Elbe-Seiten-Kanal hinüber. Peter Schmidt legte einen Elektrozaun um, den der Schäfer erst nach Peters Vorfahrt genau vor die Einsetzstelle gesteckt hatte. Ob und wie Peter da rumgehüpft ist, als ihn der erste Stromschlag traf, wissen wir leider nicht, aber wir wissen, wie es der Nachhut in Gestalt von Peter I erging, als er den Zaun wieder aufrichten wollte. Auf so einem Schafsnetz ist nicht viel Saft, aber Peter Krecker machte ein ziemliches Gewese wegen den lächerlichen 6000 Volt. Dabei dauert der Stromstoß eh nur einige Millisekunden und hat nur ca. drei Joule Schlagenergie. Trotzdem hörte man dauernd im Abstand von etwa 1,3 Sekunden: "O!" "Oho!" "Oah!" "Ah!" "Uah!" und ein paar unflätige Ausdrücke, die ich hier nicht wiedergeben kann. Auf den Rat von Peter Schmidt, doch bitte die Zeiträume zwischen den Pulsen zu nutzen (üblicherweise ca. 1,3 Sekunden), hörte er nicht. Stattdessen nahm er einen Lappen, der da lag und versuchte es wieder. "Au! Mist!" Klar, der Lappen war ja nass geregnet. So ist das heutzutage: Das Schafsnetz ersetzt den Hütehund. Es bleibt die Frage, was für Peter schlimmer geworden wäre – die paar Joule oder ein paar Hundebisse?

Das Kabbelwasser an der Mündung des Kanals in die Elbe und die ersten Wellen auf der Elbe selbst, haben uns bereits gefallen. Es war eine nette Abwechslung gegenüber der Neetze und dem langweiligen Kanal. Bei Artlenburg machten wir noch eine kurze Pause. Der Wind blies meinen Tee beim Eingießen an der Tasse vorbei. Eigentlich ein sicheres Indiz für starken Wind und man hätte hier noch abbrechen können, aber die Strömung und der Seegang machten so viel Vergnügen, dass uns der Gegenwind kaum etwas ausmachte. Besonders Ben und Jennifer hatten Spaß in den Wellen, obwohl wir hinterher einen Eimer Wasser aus ihrem Boot gießen mussten! Die Fahrt ging bis in den Hafen Tespe, zum dortigen Wassersportverein. Man hatte uns erlaubt, die Autos auf dem Vereinsparkplatz abzustellen und nachher den Slip zum Aussetzen zu nutzen. Danke dafür!
Als Mensch und Material zurück nach Barum geschafft waren, regnete es schon wieder. Zudem sollte schon bald der Aufbruch nach Fischhausen sein, und darum wurde zum ersten Mal, soweit ich mich zurückerinnern kann, die lange Kaffeetafel abgesagt!


Wasserwandern?
Foto: Werner Münch

Das Essen in Fischhausen (nur Fischgerichte) war sehr gut und rauchfrei, aber schon bald klönten wir bei Bier und Wein auf dem Zeltplatz weiter. Wir setzten uns um Bernds Fackel herum und bestaunten die pyrotechnischen Darbietungen, die er beim Anzünden im kräftigen Abendwind vorführte (jetzt 5 – 6 Bft). Die Funken stoben waagerecht mal in die eine, mal in die andere Richtung. Die Wohnwagener konnten wegen des Trommelfeuers aus Eicheln ihre Behausungen nur mit Helmen aus Kochtöpfen (oder Notfalls mit Südwester) verlassen, um sich zu uns zu gesellen. Peter Krecker hatte immer noch so viel elektrische Ladung in sich, dass seine Haare wild zu Berge standen und er, wie der rosa Duracell-Hase in der Werbung, immer weiter jibbelte, während die anderen bereits schlapp gemacht haben. Er war aktiver als sonst um diese Uhrzeit. "Wie nach dem Einsatz eines Defibrillators", sagte er, was aber übertrieben ist, da der etwa hundert Mal so viel Joule hat, wie der Schafszaun. Peter befürchtete, dass sich die zusätzlichen Elektronen mit den Elektrolyten im Bier nicht vertragen. Obwohl es eigentlich Ampere waren und nicht Ohm, sagte er: "Ein Ohm in Ehren, kann niemand verwehren!" Jochen saß nicht mit in der Runde, sondern leistete seiner frierenden Helga im Zelt Gesellschaft. Sie führten zu unserer Zerstreuung ein hübsches Schattenspiel vor, das sonderbare Assoziationen bei uns hervorrief. Manche wollten noch bis nach 23 Uhr warten, weil sie hofften, dass sie ein ähnliches Nachtprogramm wie beim DSF zu sehen bekämen (was senden die dann eigentlich?).
Inzwischen war der Himmel klar und es wurde empfindlich kühl. Das versprach einen sonnigen nächsten Tag und so kam es auch. Wir stachen feste in den Barumer See und paddelten die Neetze hinunter bis zum Schöpfwerk in den Ilmenaukanal. Dabei war ein Wehr zu umtragen. Wieder halfen Hans und Helga vielen anderen aus ihrem Boot und anschließend wieder hinein. Aber Jochen riss seinen „Hektograf“ alleine und so schwungvoll aus dem Wasser, dass er eine Luftkenterung vollführte und er ihn über den Süllrand statt über den Kiel rausziehen musste! Das zweite Wehrchen konnte von allen Teilnehmern gefahren werden.

Unpassend wie immer, war natürlich Ebbe im Ilmenaukanal! Also karrten wir die Boote ca. 650 m über den Damm bis vor die Schleuse. Es ging gegen die Strömung zum Barumer Schöpfwerkskanal, wobei der Rückenwind uns nicht so viel half, wie erhofft. Dieser Kanal führte gelbliches Wasser. Die Ursache dafür kannte niemand, aber aus der Luft sieht man nicht weit neben der Einsetzstelle eine Kläranlage! Die werden doch wohl nicht...?! Igitt!!

Heute hielten wir die traditionelle Kaffeetafel im Sonnenschein ab. Es war auffallend viel gleichartiger Pflaumenkuchen zu sehen – der vom Bäcker aus dem Dorf. Inge hatte uns dagegen Pfirsich-Zupfkuchen mitgegeben und der war in Windeseile vertilgt! Peter Krecker dankte Peter Schmidt im Namen aller für die Organisation des Einzelmitgliedertreffens. Wir klopften zustimmend auf die Tische. Dirk und Monika klopften so kräftig, dass sie das Hütchen-Hüpf-Spiel mit ihren Kaffeebechern spielten und den Kaffee im hohen Bogen über ihren Tisch und das Gras verteilten. Das nenne ich wahre Begeisterung und es sollte Peter anspornen, das Treffen im nächsten Jahr genauso gern und gut zu organisieren, wie er es seit Jahren für uns macht. Und jetzt danke ich für uns alle Peter Krecker und natürlich Peter und Bärbel Schmidt für ihre Arbeit für die Einzelmitglieder (auch wenn viele davon gar nichts wissen).

Bis zum nächsten Jahr dann! Wahrscheinlich wieder Anfang Juni. Wo? Soll ich 's sagen? Nur so viel: Bringt wieder genug Kabel und Mehrfachsteckdosen mit.

Euer Werner



Landes-Kanu-Verband Schleswig-Holstein e.V.
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