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EINZELMITGLIEDERTREFFEN 2009
Mit Wetter(n) ist es so eine Sache
12. - 14. Juni 2009 in Ihlienworth
ein Bericht von Werner Münch

Es war recht windig, sogar stürmisch, als Manfred und ich mit der Elbefähre von Glückstadt nach Wischhafen übersetzten. Es gab ordentlich Seegang und die Gischt spritzte hoch über den Bug der Fähre. Unter diesen Bedingungen versprach das Zelten beim TSV-Ihlienworth und das Paddeln auf der Medem "lustig" zu werden.

Das Bootshaus der TSV-Kanu-Sparte ist klein und einfach. Es liegt ganz romantisch an einer Wettern (dazu später mehr). Bei der offiziellen Beschnackung im Bootshaus, begrüßte Peter-2 uns zum Jahrestreffen 2009 der Einzelmitglieder. Die ursprünglich geplante Fahrtrichtung auf der Medem hat er wegen des Windes umgekehrt. Wir würden demnach von der Schleuse in Otterndorf in südliche Richtung paddeln. Peter-2 (alias Peter Schmidt) hat in diesem Frühjahr die Fahrtenleiterprüfung abgelegt und kann nun die EM-Treffen fortführen, falls Peter-1 (alias Peter Krecker) einmal ausfallen sollte. Bisher wurde in solchen Fällen aus der Verbandsfahrt eine Privatveranstaltung. Darum gratulierten wir ihm herzlich zu diesem Entschluss und zu seiner Leistung.

Abends ging es an den gemütlichen Teil, bei dem Ottmar von den Kanuten des TSV Ihlienworth dabei war. Es gab zuerst eine Kiste Bier von Werner-2, die er seinerzeit als Einstand nach Rendsburg mitgebracht hatte. Damals haben wir sie nicht mehr geschafft, weil so viele Getränke aus den unterschiedlichsten Anlässen aufgefahren worden waren. Danke, dass Du die Kiste noch mal mitgebracht hast, Werner. Die TSV-Kanuten Rollo und seine frisch angetraute Ehefrau, kamen abends nach ihrer Trauung mit Sekt zu uns ins Bootshaus. In Schlips und Anzug! Beim Abschied wünschten wir den beiden eine schlaflose Nacht.

Jahrestreffen der Einzelmitglieder 2009 (Bild 1)
"Medemtative" Entspannung?
Foto: Peter Schmidt

Am Samstagmorgen, in der wirklich engen Körperpflegeeinrichtung "H" (ca. 2 x 2 m), mit nur einem Klo, zwei Pipibecken, einem Waschbecken unter einem Spiegel, aber zwei Steckdosen untereinander, zeigte die EM-LKV-Badtanzgruppe so um sieben Uhr herum eine entzückende Ballettszene. Und die geht so: Einer wäscht sich überm Waschbecken, der zweite befeuchtet dabei seine Zahnbürste und tritt mit einem Sidestep zur Seite, während der Tänzer vom ersten Pinkelbecken zum Waschbecken aufschließt und seinerseits versucht, seine Zahnbürste anzufeuchten. Der vom Klo kommt, macht eine Pirouette um den mit der ersten, bereits nassen Zahnbürste herum, um sich die Hände zu waschen. Dabei hebt er locker beide Arme über den Kopf. Das sieht sehr graziös aus, hat aber auch hygienische Gründe. Ein weiterer Tänzer tritt an das freigewordene Pinkelbecken heran und gibt erleichterte Geräusche von sich. Derweil hört man die Klotür wiederholt zuknallen. Inzwischen tritt der erste Rasierer mit elegantem Hüftschwung in den Kreis ein und stöpselt seinen Rasierapparat in die obere Steckdose (anschließend die Schritte: Rück-Rück-Seit-Seit…). Dann folgt der Tänzer vom zweiten Pinkelbecken und langt in Hüfthöhe am Tanzpartner vorbei nach seinem Rasierer auf der Ablage unter dem Spiegel, den er nach einem Ausfallschritt nach links und einer Körperdrehung in die untere Steckdose steckt. Inzwischen hat der nächste seinen Arm zwischen die Spiralkabel der beiden Rasierer nach vorn gereckt um seine Zahnbürste auszuwaschen, wobei das Unterhemd aus der Trainingshose flutscht und einen behaarten unteren Rücken freigibt.

Da einigen die Übung fehlte, gab es Tritte auf diverse Zehen, wobei man nicht wusste, wer nun wen getreten hatte. Es gab Körperkontakte, die man unter anderen Umständen unanständig genannt hätte. Zudem waren die Spiralkabel der Rasierer nun unlösbar miteinander verdrillt. Wahrscheinlich hat jetzt auch nicht mehr jeder seine eigene Zahnbürste. Die gesamte Choreografie wurde mit wechselnden Künstlern und immer neuen Figuren und Pirouetten eine Zeit lang weiter geübt. Am Sonntag gelang es ihnen schon ganz gut, muss ich sagen. Und die voluminösen Beinkleider, Doppelripp-Achselshirts und Adiletten passten hervorragend zur Inszenierung. Hans und ich hatten uns für eine Statistenrolle entschieden und rasierten uns vor der Klotür mit Akkurasierern, während wir dem Ballett zuschauten. Als ich gerade mit einer Hand die Haut an meinem Hals straffte und mit der anderen den Apparat darüber führte, sagte ich etwas nuschelig zu ihm: "Dann muss man sich eben nach Gehör rasieren." Und er sagte: "Ja, man weiß ja unjefähr wo die Haare sitzen."

Verglichen damit, war unsere Paddeltour die Medem hinauf, eher unauffällig, aber auch schön. Der Wind war bei dieser Fahrtrichtung kein Problem für uns. Am schönsten fand ich den Abschnitt durch Otterndorf. Man hat viel gesägt und gebaggert an der Medem und so war auch der vorgesehene Pausenplatz nicht zugänglich. Der Ausweichplatz liegt im Nichts und hat keinen Namen. Ich kann nur die Koordinaten angeben: N 53° 47.396 E 08° 53.748. Die Schleusung am Schöpfwerk in Ihlienworth, fand ich lustig. Das hatte etwas von Fischen in der Dose. Ottmar hatte es sich nicht nehmen lassen, für uns die Schleuse zu bedienen. Das war nett!

Jahrestreffen der Einzelmitglieder 2009 (Bild 1)
Auf der Medem in Otterndorf
Foto: Werner Münch

Weil das Wetter am Nachmittag besser wurde (wir mussten die Sonnenbrillen aufsetzen), konnten wir auch unsere traditionelle lange Kaffeetafel unter freiem Himmel abhalten. Die Obmänner haben für die gute Organisation der Adventswanderung 2008 zwei LKV-Whiskygläser an Susanne und Gerard überreicht. Sie hatten noch ein drittes Glas für eine weitere Person, die jedoch "unentschuldigt" fehlte. Peter sprach über die für Sonntag geplante Wetternverwirrfahrt. Das ist übrigens das Gegenteil einer Orientierungsfahrt. Dabei stellten sich zwei wichtige Fragen. Erstens: Was ist Wettern, oder was sind Wettern? Zweitens: Woher kriegen wir einen K7 und was ist das überhaupt?

Wedder oder Wettern sind meist lange, langweilige, von Menschenhand ausgehobene, kanalartige Gräben, über die Niederungen wie zum Beispiel das Marschland entwässert werden. Am Ende steht meist ein Schöpfwerk. So auch in Ihlienworth. Heißt es nun das Wettern, der Wettern oder die Wettern? Ist es ein Wetter aber zwei Wettern? Oder ein Wettern und zugleich auch zwei Wettern? Im neuen Duden steht, dass Wetter jemand sei, der wettet. Na toll!

Den K7 bräuchten wir, weil es am vorgesehenen Rastplatz zwar einen Toilettenwagen gibt, dessen Türen jedoch abgeschlossen sind. Susanne hatte irgendwo gehört, dass es einen Multifunktionsschlüssel mit der Bezeichnung "K7" gäbe. Vielleicht das hier: Schaltschrankschlüssel/Universalschlüssel, aus Zinkdruckguss, einsetzbar für Schaltschränke, Absperrsysteme der Gas-, Wasser- und Elektrizitätsversorgung, Netzschalttafeln sowie Heizung-, Klima-, Sanitär- und Gebäudetechnik (Dreikant 9 mm, Vierkant 6/8 mm, Bundbart/Doppelbart innen ø 5/außen 9 mm, zusätzlich Doppelbit (Schlitz 7,0 mm und PH 2), Adapter 1/4", Maße: 70 x 70 mm? Wenn so etwas K7 heißt, ist es das richtige. Doch woher nehmen? Wir fragten Rainer, ob er so was zwischen den Werkzeugen in seinem Bus hätte? "Nein! So was hab ich gar nicht." Aber ich hab immerhin einen zuhause…

Nach dem Abendessen in einem Dorfgasthof schaukelte die Karawane zurück zum Bootshaus und es gab die Flips- und Chipsreste vom Vorabend plus Bier von Biggi und Fred, die kürzlich zum zweiten Mal Großeltern wurden.

Der Sonntagmorgen war bedeckt, und es gab schon die ersten Regentropfen ehe wir zur Wetternverwirrfahrt aufbrachen. Ich maß die Strecke mit dem GPS-Gerät. Immer einen Kilometer in eine Wettern hinein und zurück zum Zusammenfluss, dann in die nächste usw. Manche interpretierten Peters Fahrtenregeln recht eigenwillig: Statt auch bis zum jeweiligen Kilometer vorzupaddeln, zogen sie den Treck auf 300 Meter Länge auseinander und wendeten gleichzeitig auf der Stelle. Von oben muss das witzig ausgesehen haben, aber an das Bad-Ballett kommt es bei weitem nicht heran. Peter-2 und ich sind die einzigen, die auf die vollen Kilometer gekommen sind. Soweit ich es herausbekam, sind wir auf der Großen Siedenteiler Wettern, an der das Bootshaus steht, zur Medem, darüber gleich in die Straßdeichwettern, weil das Schott an der Emmelke leider heruntergelassen war. Danach sind wir in die Große Medemstader Wettern gepaddelt. Mehr oder weniger weit... nicht wahr?! Von da ging es wieder zurück über Medem und Große Siedenteiler Wettern, am Schöpfwerk und dem Bootshaus vorbei, zur EU-geförderten Wasserwanderraststelle. Dabei kamen wir an der "Hauptgrube" (eine Wettern) und der Mislager Wettern vorüber. Tatsächlich steht dort auch ein Toilettenwagen. Er hat zwei mit "Anne" und "Anton" bezeichnete, abgeschlossene Türen. Einen K7 hätten wir nicht gebraucht. Jochens Daumennagel hätte gereicht, wenn nicht zusätzlich noch Sicherheitsschlösser eingebaut gewesen wären. Also ging es ab in die Hecke!

Es drohte zu regnen, und wir beeilten uns, zum TSV zurück zu kommen. Nicht jedem gelang es, sein Zeug trocken einzupacken. Als wir uns später vor und auf der Elbefähre wiedertrafen, schien die Sonne drückend vom Firmament und wir überquerten eine stille Elbe, die keine Ähnlichkeit mit der Elbe vom Freitag hatte.

Es war schön euch wiederzusehen. Ich freue mich schon auf das nächste Mal!

Werner aus seinem "Eisvogel"


Landes-Kanu-Verband Schleswig-Holstein e.V.
http://www.kanu-sh.de/