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EINZELMITGLIEDERTREFFEN 2010
Reif für die Insel
06. - 08. August 2010 in Kollmar
ein Bericht von Werner Münch

Unser Obmann Peter Schmidt musste sich von verschiedenen Seiten viel Kritik anhören, weil er das Jahrestreffen 2010 bei den Elmshorner Wanderpaddlern in Kollmar an der Elbe abhalten wollte. Natürlich nicht wegen der Elmshorner, sondern wegen der Elbe. Es sei ja ein Großgewässer, da kämen eh weniger Leute, und schon mal keine Canadierfahrer. Und dann die starke Strömung, die hohen Wellen und die riesigen Schiffe da! Peter konnte sich jedoch über zahlreiche Anmeldungen freuen. Neben großen Schiffen und flotter Strömung gibt es in dieser Region auch viele schöne Elbinseln, die zum Inselhopping einladen! Wer wäre nach einem Jahr Arbeit nicht auch "Reif für die Insel"?

Das Wetter war ebenfalls auf Peters Seite – und damit auch auf unserer. Wer gerne ein paar Windwellen gehabt hätte, wurde enttäuscht: Es gab "nur" die langen, hohen Wellen der Containerriesen. Peter wusste schon im letzten Jahr beim EM-Treffen an der Medem in Ihlienworth, dass die Tide für das günstigste Zeitfenster erst relativ spät im Jahr passt: Nämlich an diesem und dem folgenden Wochenende im August.

Peter (der ehemalige Peter-2), Bärbel und Werner-2 waren schon seit Dienstag auf dem Zeltplatz. Manni und ich stießen am Donnerstag hinzu. Nach dem Zeltaufbau warteten wir noch auf den passenden Wasserstand für eine kleine Tour zur Rhinplate, ehe wir bei schönem Wetter unsere Boote durch den Schlick zum Wasser schoben und unter dem Gespött derjenigen mit den sauberen Füßen ablegten. Die Fahrt im Tidenstrom zum Trittstein auf der Rhinplate und zurück war schön, schnell und erholsam.

Jahrestreffen der Einzelmitglieder 2010 (Bild 1)
Am Strand von Auberg...

Am Abend saßen wir vor dem Schmidt-Zelt, tranken etwas Gutes und erzählten uns, was wir im zurückliegenden Jahr so alles erlebt haben und fachsimpelten über satellitengestützte Navigation im Seekajak bei Nebel und auf Küstenfahrt. Ich weiß noch, wie man mich anfangs mit meinem "Outdoor-GPS" auf dem Kartendeck verspottete. Ob ich keine Karten lesen und den Kompass nicht verstehen könnte, war noch das harmloseste. Und heute?

Das Vereinshaus der Elmshorner ist ein schönes, altes Reetdachhaus direkt hinter dem Deich. Der Clubraum ist eine sehenswerte Stube wie aus einem Heimatmuseum! Die Sanitäranlage war jedoch beinahe so knapp bemessen, wie die in Ihlienworth. Die EM-Badtanzgruppe hätte hier ihr Repertoire um einige Figuren erweitern können. Peter hat aber vorsichtshalber ein zusätzliches Dixi-Klo bei den Seglern besorgt (mit mäßigem Nutzen allerdings).

Der Freitag verlief ganz entspannt. Manni hatte Feuerwehrdienst auf dem W:O:A (Wacken Open Air) und verließ uns am Nachmittag wieder für einige Stunden. Bald trafen die nächsten Einzelmitglieder ein. Hans kam per Kajak übers Wasser und Helga brachte die Sachen mit dem Auto hinterher. Sie hatte unter anderem einen vollen Bierkasten dabei, weil sie ihn nicht durch die Luke in Hans Boot gekriegt haben. Die Elmshorner Vereinsmitglieder, Vater Jan und Sohn Timm, kamen zünftig in ihrem Zweier übers Wasser zu uns. Nachdem sich abends der Zeltplatz gefüllt und jeder mal in den Kochtopf der anderen geschaut hatte, begann die "offizielle Beschnackung". Sogar der ehemalige Peter-1 war gekommen! Der Obmann erläuterte die Fahrtenregeln für die vorgesehenen Touren auf der Elbe und verteilte Karten mit den geplanten Streckenverläufen. Das Bier von Hans und Helga war dafür, dass sie jetzt seit 25 Jahren Einzelmitglieder sind! Als Anerkennung bekamen sie die berühmten LKV-Whiskygläser überreicht. Monika und Dirk spendierten auch einen Kasten Bier, weil sie schon wieder neue Boote haben. Peter berichtete verärgert, dass der Hafenmeister des Welthafens "Port Haseldorf" bei Scholenfleth für die Benutzung der Slipanlage 3 Euro pro Kajak haben will! Das erschien uns allen ungerechtfertigt. Nur um mal kurz Pause zu machen? Wobei wir dort auch Fischbrötchen und massenhaft Eis gekauft hätten? Womöglich hätte er zum Einslippen noch mal von jedem 3 Euronen kassiert?!

Nach einer relativ ruhigen Nacht und einem opulenten Campingfrühstück saßen wir um 10:30 Uhr in den Booten und los ging’s. Wie gesagt unter Ententeichbedingungen. Von irgendwelchen Gefahren der Unterelbe war nichts zu spüren. Aber jeder hier wusste, dass die Elbe auch anders kann und wir freuten uns über die entspannte Fahrt. Es ging über die Pagensander Nebenelbe an der langgestreckten Insel Pagensand, an den Mündungen von Krückau und Pinnau vorbei, weiter auf der Rückseite der Insel Auberg / Drommel zum Haseldorfer Hafen. Wir paddelten in einer lang auseinander gezogenen Reihe in den Hafen hinein und in einer Schleife gleich wieder hinaus. Manch einer spreizte beim Paddeln "versehentlich" einen Mittelfinger ab und wünschte einen schönen Tag.

Statt im Hafen Fischbrötchen und Eis zu essen, steuerten wir den Trittstein Auberg an. Nach 17 Km am Stück zogen wir im strahlenden Sonnenschein die Boote auf den weißen Sand. Einige Paddler nahmen gleich ein erfrischendes Bad, andere legten sich in die Sonne. Nach einer Stunde ging es weiter und wir schauten uns vom Wasser aus die "Trittsteine" auf Pagensand an. Wer sie nicht kennt, sollte sich die Pagensand-Verordnung oder das Faltblatt mit Informationen dazu runterladen und lesen, bevor er eine Nacht auf dieser Elbinsel verbringt.

Unseren Rückweg konnten wir Dank des Wasserstandes und den ruhigen Bedingungen etwas abkürzen, indem wir einfach über den Leitdamm Pagensand Nord hinweg paddelten. Am Strand vor dem Zeltplatz wimmelte es von Sonnenanbetern. Für die einen waren wir mit unseren Kajaks und unserer Ausrüstung interessante Beobachtungsobjekte, für andere (insbesondere diejenigen, die es sich genau im Durchgang bequem gemacht hatten) eher lästig. Wir wurden unter anderen von Achim und einer Frau erwartet. Achim hatte wegen einer Handverletzung kurzfristig absagen müssen. Es war ihm aber wichtig, uns einmal "seine Frau" vorzustellen, damit wir ihn nicht nur oft von ihr sprechen hören, sondern sehen könnten, dass es "seine Frau" wirklich gibt. Obwohl die beiden uns einen Beweis schuldig blieben, wollen wir es ihm mal glauben.

Zur traditionellen Kaffeetafel im Sonnenschein gab es eisgekühlten Bienenstich, Donauwellen an der Elbe (die hatte ja keine Wellen), Obstkuchen mit Sahne und verschiedene andere Kuchen und Kekse. Dabei beobachteten wir die Möwenthermik und schwärmende Ameisen. Ratten schlichen sich heran und wollten unsere Vorräte plündern.

Nach dem Kaffee faulenzten die meisten (das ging bis hin zum lauten Schnarchen unter freiem Himmel), aber Klaus und Timm spielten Frisbee bis es Zeit für die Pizza im "Sünnschien" wurde. Stadtfein gemacht, pilgerten wir gemeinsam durch die Stöpe zum Lokal. Und wieder war ich gelackmeiert, weil ich mich an den Tisch des Obmanns gesetzt hatte: Wie damals in Wismar, wurde in völliger Unkenntnis von Peters Bedeutung, wieder der andere Tisch zuerst bedient! Zu Dirks Verdruss hatte man auch noch sein Essen vergessen und er schaute mit Sabber im Mundwinkel neidvoll auf unsere Teller (speziell auf meinen, denn ich saß neben dem Verhungernden). Mehr als einmal sah ich seinen Bart nah vor mir und hörte die Frage: "Schmeckt’s denn?" Dafür konnte er uns später etwas vorfuttern und wir mussten höflicherweise warten bis er endlich aufgegessen hatte. Die Bedienung war sehr gut drauf, scherzte mit uns und räumte um den schmatzenden Dirk herum schon mal ab…

Neben dem Palastzelt des Obmanns wurde dann der Schlummertrunk eingenommen. Einige junge Männer mit Migrationsvordergrund, raubten uns dann leider die Nachtruhe. Trotz des Regens machten sie ein großes Feuer und saßen unter einem gestohlenen Großschirm vom Kiosk. Sie lamentierten laut herum und ab und zu schrien sie gutturale Laute in die Nacht, die per Echo zurück kamen. Trotz Ohropax war es nicht möglich, erholsam zu schlafen. Dennoch bekam ich nichts davon mit, dass Hans zu ihnen gegangen ist und sie auf uns, unsere glutempfindlichen Zelte und die erwünschte Nachtruhe aufmerksam machte. Sie lärmten noch eine Zeit lang weiter, dann zogen sie ab und ließen alles so zurück…

Jahrestreffen der Einzelmitglieder 2010 (Bild 2)
Wir grüßen die "Gorch Fock"!
Foto: Werner Münch

Entsprechend schlecht ging es uns am Sonntagmorgen. Peter K. hatte wohl die Nerven verloren und war bereits abgereist, als ich aus dem Zelt kroch. Alle sprachen über die Rücksichtslosigkeiten in der Nacht. Das Wetter war auch nicht gerade prickelnd: Nieselregen beim Frühstück. Immerhin war es windstill und die Elbe spiegelglatt. Um halb elf paddelten wir mit bereits auflaufendem Wasser ein Stück elbabwärts in Richtung Tonne 90. Von dort querten wir im Pulk die Fahrrinne und hielten mit etwa 30 Grad Vorhaltung auf das Niedersächsische Ufer zu. Mehr oder weniger dicht zusammen geblieben erreichten wir die Nordspitze des Schwarztonnensandes. Für mich die fünfte Insel bei diesem Treffen. Hier gibt es auch einen "Trittstein" und etwas höher auf dem Ufer darf man eine Nacht zelten. Inzwischen war es angenehm warm und trocken geworden. Mit dem kräftigen Tidenstrom ging es flott am grünen Tonnenstrich entlang zum anderen Ende der Insel. Wir ließen noch drei kurz hintereinander fahrende Schiffe vorbei und paddelten mit Jubelrufen in ihre schönen hohen Wellen hinein. Peter wollte mit uns zum Trittstein Pagensand A. Das tollste war, dass sich gerade die Gorch Fock von Hamburg her näherte! Nach einundzwanzig Jahren ist sie zum ersten Mal wieder in Hamburg gewesen und Peter hat es so arrangiert, dass wir auf Pagensand A stehen und das Schiff bewinken konnten! Was unser Obmann für Beziehungen hat!? Alle Achtung! Gerade als er zu doll damit angab, trat er in einen vertrockneten Stichling. Das Wasser lief immer noch auf als wir wieder weiter paddelten und so überquerten wir erneut den Pagensand-Leitdamm. Im Gegensatz zu gestern war der Strand vor dem Zeltplatz nahezu leer. Der gestohlene Schirm hatte neue Liebhaber gefunden und jemand hatte die Feuerstelle mit Sand zugeschaufelt.

Jahrestreffen der Einzelmitglieder 2010 (Bild 3)
Getrockneter Stichling

Peter hielt bei der Kaffeetafel eine Abschiedsrede und freute sich über seinen Mut, ein EM-Großgewässer-Treffen zu machen. 2011 will er das Jahrestreffen an der Dove-Elbe abhalten. Dann kann wieder jeder teilnehmen, ohne sich Gedanken über hohe Wellen und Strömungen machen zu müssen.

Peter und Bärbel blieben noch und wollten auf dem Lühesand eine hoffentlich ruhige Nacht verbringen. Wir sehen uns dann im nächsten Frühjahr an der Dove-Elbe wieder. Alles Gute bis dahin.

Werner aus seinem "Eisvogel"

Fotos: Werner M&unch (1), Werner Stolzenberger (2)


Landes-Kanu-Verband Schleswig-Holstein e.V.
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