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EINZELMITGLIEDERTREFFEN 2011
Mörfi und seine Gesetze
17. - 19. Juni 2011 beim Bergedorfer Kanu-Club e.V.
ein Bericht von Werner Münch

Auf dieses Jahrestreffen der Einzelmitglieder vom 17. bis 19. Juni 2011 beim Bergedorfer Kanu-Club e.V. habe ich mich besonders gefreut, denn in den letzten Monaten hatte ich leider nur wenige Gelegenheiten zu paddeln, und auf diesen Gewässern rund um das Bootshaus der Bergedorfer Kanuten war ich noch nie! Trotz des bekannten Bootsbauers in der Nähe.

Nach 350 km Anfahrt, kam ich gerade rechtzeitig zum Ende von Peters offizieller "Beschnackung" an. Gleichzeitig mit mir trafen Günter und seine Frau ein. Daher lohnte es sich, dass Peter für uns das Wichtigste im Telegrammstil wiederholte (wo der Kloschlüssel ist, wo wir morgen Essen gehen, dass der ehemalige Peter-1 im Juli heiratet und so). Ich war etwas unterhopft und nahm das angebotene Bier dankbar an.

Bis kurz vor Mitternacht wurde geschnackt und gelacht. Fünf Leute waren zum ersten Mal beim Treffen: Zunächst das langjährige Einzelmitglied Volker und dessen Partnerin Birgit. Er hatte Peter einen Zeitungsbericht über Biber in dieser Elbregion geschickt – die wussten von der Publicity jedoch nichts und daher bekamen wir keinen zu sehen. Außerdem waren Nicole mit Matthias da. Und Astrid - ihr Bruder Tim war mit Vater Jan in Kollmar erstmals dabei. Damals haben wir die Gorch Fock noch freudig begrüßen können, und wir waren jetzt bestürzt, was der Kadettin widerfahren ist, aber auch darüber, was man der Besatzung und dem stolzen Schiff in der Zwischenzeit angetan hat. Immerhin redet man nun davon, dass es als Schulschiff erhalten bleiben soll.

Ich unterhielt mich länger mit Nicole und Matthias und hörte, dass sie noch nicht so lange paddeln. EM seien sie auch erst seit kurzem. Darum gebe es auch noch kein Fahrtenbuch. Nicole weiß aber durch eigene elektronische Buchführung, dass sie bisher ungefähr 1500 km gepaddelt ist (oder waren es sogar 1700 km?). Nur? Und das auf Gewässern, von denen andere immer nur gehört haben? Wie ich zum Beispiel. Egal wovon wir sprachen: Sie war da schon! Ich nehme daher an, dass in ihrer Kalkulationstabelle eine Formel verkehrt sein muss. Andererseits hat man hier vielleicht einen jener Fälle, die man einer allgemeinen Gesetzmäßigkeit unter "Murphys Gesetz" zuordnen könnte: Wenn etwas geradezu unglaublich erscheint, ist es höchstwahrscheinlich wahr.

Peters Tourenplanung war murphymäßig verdorben worden: Er wollte mit uns die Dove Elbe Richtung Regattazentrum paddeln, mal um die Ecke in die Gose Elbe gucken und wieder zurück. Aber die Weltcup-Ruderregatta war ohne Rücksicht auf das längst feststehende EM-LKV-Jahrestreffen genau auf dieses Wochenende gelegt worden. Also hat Peter alles umgeschmissen und eine andere Tour ausgewählt. Das wäre eine weitere von Murphys allgemeinen Gesetzmäßigkeiten: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein bestimmtes Ereignis eintritt, ist umgekehrt proportional zu seiner Erwünschtheit. Das gilt auch für den heftigen Regen in der Nacht. Aber beim Frühstück und zur Schiffstaufe von Jans neuem Zweier, waren die Regenwolken wieder abgezogen.

Jahrestreffen der Einzelmitglieder 2011 (Bild 1)
Foto: Werner Münch

Beim Einbooten spekulierten wir darauf, dass eine andere allgemeine Murphy-Gesetzmäßigkeit eintritt: Wenn etwas auf verschiedene Arten schiefgehen kann, dann geht es immer auf die Art schief, die am meisten Schaden verursacht. Manni wollte sich nämlich mit Sonnenschutzöl eincremen und lag dazu mit seinem Boot am Nebensteg. Er balancierte dabei mit Paddel, Tube und Verschluß herum und hatte insgesamt eine Hand zu wenig. Aber er fand, es sei eine interessante Yoga-Übung. Ich sagte, falls er kentere, könnten wir am Ölfleck sehen, wo wir nach ihm tauchen müssen. Wegen der zu erwartenden Ölpest wollten wir schon mal die Ölbarrieren auslegen, doch er behauptete, das sei nicht nötig, da das Mittel wasserfest sei. Na gut, da am Steg kann man sich die Stelle auch so noch gut merken und Captain Murphy hat nicht etwa unrecht, sondern es gilt die Regel: Wenn etwas nicht schiefgegangen zu sein scheint, dann wurde der Fehler lediglich noch nicht entdeckt, wodurch alles nur noch schlimmer wird. Manni, wo ist Dein Sonnenöl jetzt?

Unser langjähriger Freund Helmut war eigens für diese Fahrt zu uns gekommen. Es war schön, Dich und Deine sympathische Begleiterin wieder zu sehen, Helmut! Die Fahrt ging nun in den Allermöher-Durchstich bis zur Gose Elbe. Der Durchstich war bis vorgestern noch gesperrt. Das ist dann wieder "Glück", Mr. Murphy! Am Ufer sah man viele bunte Blumen, die den bekannten Plastikblumen von zuhause täuschend ähnlich sahen. Es ging durch den Durchstich wieder zurück und dann weiter bis nach Altengamme. Zwischendrin verloren einige Boote schon mal den Kontakt zur Spitze um den Fahrtenleiter. Wir mussten unter Kentergefahr unsere kalkigen Wirbelsäulen unnatürlich verdrehen, um nach ihnen zu sehen. Peter meinte, man müsse Rückspiegel haben, aber ich finde Rückspiegel am Kajak irgendwie unsportlich.

Auf dem Weg zurück zum Bootshaus, zog es sich schnell zu. 14 Minuten vor dem Ziel begann es vom Himmel zu tröpfeln. Die Optimisten blieben im T-Shirt, die Pessimisten und die meteorologisch Bewanderten zogen die Regenjacke und den Südwester an. 10 Minuten vor Erreichen des Bootshauses schüttete es wie aus Eimern und mancher Paddler wurde völlig durchweicht. Kaum waren alle zurück bei den Zelten, kam die Sonne wieder heraus, zeigte uns den Stinkefinger und brannte herunter, dass die nassen Sachen dampften. Wir aber trauten dem Frieden nicht und machten unsere traditionelle Kaffeetafel sicherheitshalber im Bootshaus.

Bis wir zum Abendessen fahren würden, blieb noch viel Zeit zum Ausruhen und Fachsimpeln. Zum Beispiel über spezielle Fahrtenziele, die angepasste Organisation dafür, Bootsmaterial, Lukendeckelabdichtungssysteme, Schwanenkämpfe, oder auch über den Nutzen des GPS für Paddler. Damit kann man noch etwas anderes machen und ich lud Jan und Astrid ein, mit mir eines der Verstecke aus dem Spiel "Geocaching" zu suchen. Es liegt bei der Mühle Reitbrook. Das hat ihnen Spaß gemacht.

Danach sind wir im Auto-Konvoi durch den neuerlichen Regen nach Bergedorf zu einem Restaurant gefahren, um dort die gestern Abend bereits ausgewählten Speisen zu vertilgen. Alles Riesenportionen und Salat ohne Sprossen (wegen der noch nicht ganz überstandenen EHEC-Epidemie). Für Peter sind "Sprossen" keine "Keime" und deshalb könne ihm auch der EHEC-Keim nichts anhaben, schloss er messerscharf.

Und dann, bei der Rückkehr zu seinem Zelt, fand Gerd einen Zettel mit der Notiz: "Du hattest Besuch von Nachbars Hündchen…" Ein großer Teil seines Proviants war weg! Gerd war erschüttert. Er hatte alles gut eingepackt, das Zelt fest verschlossen, und dann DAS! Auch hier hat Mr. Murphy eine allgemeine Gesetzmäßigkeit, die zutrifft: Hat man alle Möglichkeiten ausgeschlossen, bei denen etwas schiefgehen kann, eröffnet sich sofort eine neue Möglichkeit.

Jahrestreffen der Einzelmitglieder 2011 (Bild 2)
Foto: Monika Brauer

Dieses Hündchen war bisher nie in Erscheinung getreten. Aber nun war es in Gerds Zelt eingedrungen und hatte sich den ganzen Schinken aus der Plastikverpackung geholt, drei der fünf Würstchen gefressen und den Rest seines (also unseres) Kuchens als Dessert hinterher! Während wir bei Bier und Erdnuss in der Runde saßen, kam der Köter wieder. Ein kleiner fetter (kein Wunder!) Mischling aus Jack-Russel und Westie. Er trippelte gezielt und ohne Hemmungen erneut auf Gerds Vorzelt zu! Schimpfen empfand er als Lob. Aber wie Gerd nun mal ist, steckte er ihm noch die letzten Würste ins Maul! Der Hund kam noch ein paar Mal wieder und wurde dann von Joachim gefüttert. Und ich habe den schlecht erzogenen Hund nachträglich "Mörfi" getauft.

Der nächste Morgen war, sagen wir mal: wechselhaft. Man wusste nicht, was man anziehen sollte und ob man nun vor dem Zelt oder besser im Bootshaus frühstückt. Wechselhaft blieb es auch auf dem ersten Teil der Fahrt in die Allermöher Grachten. Zuvor gab es eine Umtragung. Genau zum Anlegen für die Pause, begann es heftig zu regnen und es hörte auch nicht mehr auf! Das trübte etwas den Genuss, durch diese überraschend zahlreichen Wasserwege zu fahren. Ebenso, wie der viele Müll, den irgendwelche Vollidioten überall in die Grachten geworfen haben! Außer Bergen von Plastikmüll schwammen unzählige Flaschen und Dosen herum. Man hätte ein kleines Vermögen mit dem Pfandwert machen können. Tote Enten waren immer wieder zu sehen, ein ersäufter Teddybär und (nach meiner Zählung) mindestens zwölf versenkte Einkaufswagen von diversen Supermärkten! Der Regen hielt an bis wir wieder zurück beim BKC waren! Wir hätten in Bergedorf noch eine Runde Kenter- und Wiedereinstiegsübungen machen können. Noch nasser konnte man eh nicht mehr werden. Wer dabei ausgestiegen wäre, hätte beim Auftauchen, wie Neptun aus den Fluten, statt des Netzes einen Einkaufswagen über der Schulter hängen gehabt, und in der Hand statt des Dreizacks das Paddel.

Einigermaßen trocken gelegt, tranken wir im Bootshaus den Abschiedskaffee und schlugen uns um den restlichen Kuchen. Zum guten Schluss ehrte Peter einige Einzelmitglieder. Darunter Manni und Gerd. Peter sprach seine Abschiedsworte und kündigte an, dass wir uns 2012 wahrscheinlich in Travemünde auf dem Priwall treffen. Das wär‘ klasse! Da war ich schon zweimal und Nicole bestimmt noch nie. Oder?

Bis dann!

Euer Werner aus seinem Eisvogel

PS: Es gibt rote Eisvögel, Jens!


Landes-Kanu-Verband Schleswig-Holstein e.V.
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