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EINZELMITGLIEDERTREFFEN 2015
Eiderdaus
05. - 07. Juni 2015 in Delve

von Werner A. Münch, Brunsbüttel

2014 war ich der Stellvertreter des Obmanns der Einzelmitglieder Peter Schmidt. Ich hatte nur diese eine Jahr und wusste, dass ich ihn ab Januar 2015 darin beerben würde. Ich machte meine ersten Schritte in diesem Amt und war vor dem Redaktionsschluss des DKV-Sportprogramms für 2015 noch nicht so weit, ein Jahrestreffen auszurichten. Diejenigen, die gerne und regelmäßig die Jahrestreffen besucht haben, bedauerten es auf Peters letzter Adventswanderung sehr, dass man sich erst 2016 wiedersehen würde. Das tat mir leid. Nach einer LKV-Sitzung im Februar erinnerte ich mich an den Eidertal-Campingplatz in Delve und fuhr kurzentschlossen auf meinem Rückweg dort vorbei. Und siehe da: Zu unserer üblichen Zeit gab es noch ein freies Wochenende (05.06. - 07.06.2015) und ich legte den Daumen darauf. Dann lud ich Euch dorthin ein und erhielt viele Anmeldungen.

Darüber habe ich mich sehr gefreut und konnte 24 Einzelmitglieder in Delve begrüßen. Peter und Bärbel Schmidt sind zu unserem Bedauern und trotz Quengelns einiger Einzelmitglieder, nicht gekommen. Peter hat Grüße gemailt und uns ein schönes Treffen gewünscht, aber das konnte ich erst lesen, als ich wieder zuhause war.

Das Frühjahr war bisher ziemlich durchwachsen und so hatte ich schon die Befürchtung, ich würde Peter Schmidt auch als Regengott nachfolgen. Es waren aber nur ein paar Tropfen bei einem leichten Gewitter und ansonsten begleitete uns kräftiger Sonnenschein. Leider wehte tagsüber ein unangenehmer Wind, der vor allem dem Canadier in den Mäandern der Eider Probleme machte.

Wir begrüßten als neues Einzelmitglied Uwe und seine nicht-paddelnde Frau Jutta. Sie kamen mit einem Womo, ebenso wie Achim, der mit seinem blauen Eigenheim noch immer durch Europa tourt. Achim wechselte wegen des kaum zu ertragenden Sonnenscheins den Stellplatz, was eine gute Idee war, denn da, wo das rechte Vorderrad gestanden hatte, erhob sich kurz danach ein Maulwurfshügel. Was hätte da alles passieren können? Zu versinken, oder ein Achsbruch, wären noch vergleichsweise harmlos gewesen. Schlimmer wären die Auswirkungen gewesen, wenn das Auto angehoben worden und umgekippt wäre.

Jan und Tim sind ganz stilecht aus Prisdorf per Kajak angereist! Von der Bilsbek in die Pinnau, raus auf die Elbe, übernachten auf Pagensand, weiter auf die Stör, umtragen, übernachten in Wilster, weiter die Wilster Au, dann Nord-Ostsee-Kanal, durch die Gieselau mit Schleuse, bis Lexfähre, wieder schleusen und zu guter Letzt nach Delve. Alle Achtung, Männer! Ich ziehe mangels Hut meinen Südwester vor dieser Leistung.

Jahrestreffen der Einzelmitglieder 2015 (Bild 1)
Foto: Werner A. Müch

Am Freitagabend bildeten wir eine Bier-Runde und genossen das Bier von Monika und Dirk, die schon wieder ein neues Boot gekauft haben (Zweier-Faltkajak). Bis auf ein Drachenboot haben sie nun jeden Typ und wir laufen Gefahr, Alkoholiker zu werden - Danke noch mal für das Bier. Fürs nächste Mal: wie wäre es mit so einem SUP-Dings? Ähm, was sind das eigentlich für Fahrzeuge, die sie dafür benutzen? Boote doch nicht?

Der Samstagmorgen war etwas frisch und bedeckt. In der Nacht waren die erwähnten Regentropfen gefallen. Der Brötchenservice des Campingplatzes war etwas merkwürdig organisiert, aber er funktionierte. Unser Tagesziel war Süderstapel. Um den Canadier von Rainer im Wind zu stabilisieren, wurde er an die Preetzer Galeere mit Elke und Walter gehängt. Unterwegs klarte es auf und einige von uns, darunter auch ich, hatten das Glück, einen Seeadler aus nächster Nähe zu beobachten. Sehr beeindruckend! Majestätisch! Eigentlich sollte bis an die "Gelbe Welle" bei Süderstapel gepaddelt werden, doch die wurde missachtet und stattdessen nach dem festen Ausstieg gesucht. Aber man hatte die Anlegestufen aus dem Wasser geholt, um sie zu renovieren. Ich war als Nachhut gefahren und so merkten die meisten erst, dass etwas nicht stimmt, als sie bereits erheblich weiter gepaddelt waren. (Wenn man mal so im Tritt ist und schnackt, nicht wahr?) Daher gelten für diesen Tag 19 km und, wie gesagt, nicht als Verbandsfahrt, weil sie nicht im Sportprogramm steht. Die öffentlichen Toiletten waren, wie versprochen, geöffnet worden und so brauchten wir uns nicht unzivilisiert zu verhalten. Einige teilten ihr karges Pausenbrot mit den armen Enten, die hier am Badestrand nie was zu fressen kriegen. In Wahrheit waren sie so fett, ungelenk und flugunfähig, dass sie als neue Rasse durchgehen könnten. Eiderenten gibt es schon und das waren keine. Die Rückfahrt bot neue Anblicke und führte die Kajaks relativ problemlos zurück nach Delve. Nur der Canadier hatte gegen den Wind keine Chance und trotz allen Ehrgeizes war es besser, ihn auf der letzten Geraden per Schleppseil in der Spur zu halten.

Nach dem Einlaufbier, ging es übergangslos an die Kaffeetafel. Aber - und das muss ich hier mal klar sagen: So geht es nicht! Rosi, Jens und die beiden Preetzer hatten sie am Ende der Zeltreihe begonnen und damit Fakten geschaffen. Das Ende ist der vom Obmann-Zelt am weitesten entfernte Punkt. Nicht der Obmann muss seinen Tisch hundert Meter weit schleppen, um seinen Kuchen anzubieten und gegen anderen Kuchen zu tauschen, sondern es muss umgekehrt gemacht werden! Ich habe allerdings nicht so ein Sultanszelt wie die Schmidts. Meins kann man schon mal übersehen. Aber dafür habe ich ein Tarp darüber gespannt, sodass Manfred und ich trocken und beschattet darunter sitzen konnten. Und dieses Tarp zwang jeden, sich zu verbeugen, ehe man zu mir treten konnte. Damit hatte sich die Sache mit "dem entferntesten Punkt" wieder ausgeglichen. Astrid und Susanne waren gekommen, um ihre Männer (Jan und Tim) und deren Expeditionsausrüstung abzuholen; Jutta war ja schon da und meine Frau Ingeborg kam und hatte Kuchen mitgebracht.

Am Abend gingen wir alle, wie geplant und vorbestellt, zusammen mit unseren Besuchern in die Camping-platz-Gaststätte zum Essen. Wie es eben bei so etwas vorkommt, war auch hier eine Organisationspanne pas-siert, dazu kam noch ein akuter Anfall von Dyskalkulie, aber letztlich wurde jeder satt. Zum abendlichen Bier, stellte ich den KöPi-Kasten in die Mitte, den Ingeborg mitgebracht hatte. Quasi als meinen Einstand als Ob-mann. Erstaunlicherweise waren alle so abgefüllt und müde, dass die Runde sich bald auflöste. Nur Rainer und ich schauten noch eine Weile hinauf in die Sterne und beobachteten die Riesenfledermäuse, die trotz ihrer Größe elegante Flugmanöver hinlegten. Ob hier der gleiche Zusammenhang besteht, wie bei den Enten, weiß ich nicht, aber als ich mir sicher war, dass ihre Augen rot leuchteten, bin ich doch lieber in den Schlafsack ge-krochen. Rainer war am nächsten Tag noch da und schien unversehrt (man sieht die Auswirkungen der Bisse eh immer erst nach Mitternacht).

Der Sonntagmorgen war einer von der besseren Sorte. Bis auf den Wind mal wieder. Die Brötchen waren auch gebracht worden. Manche Paddler wollten schon mal die Platzgebühren bezahlen und so fragte Dirk Monika, ob sie wüsste, ob ich so ein Gerät hätte, mit dem man überall bargeldlos bezahlen kann. Ich hörte es und sagte: "Nein, aber bei mir kannst du schon mit Deinem Handy bezahlen." "Echt? Das ist ja fortschrittlich!", sagte Dirk. "Ja. Und ganz einfach: Du gibst mir Dein Handy und schon sind wir quitt!" Es blieb dann doch bei Bargeld. Heute sollte es nach Pahlen gehen. Dort ist ebenfalls eine "Gelbe Welle" und eine Toilette, die allerdings ein Codeschloss hat, dessen Code wir erst mal rauskriegen mussten. Ging aber. Der Wind war noch kräftiger als gestern und so war ich gleich bei Rainer mit eingestiegen. Wir sind seit der Gewittertour von Preetz nach Plön und zurück ein eingeübtes C2-Team.

Jahrestreffen der Einzelmitglieder 2015 (Bild 2)
Foto: Monika Brauer

So war dann auch die einzige brenzlige Situation ein MOB-Manöver, das wir fahren mussten, um meine Mütze wieder raus zu fischen, wobei wir beinahe mit Alfred kollidiert wären. MOB heißt nicht, wie man denken könnte "man-over-board" sondern "Mütze-oever-Bord". Das ist übrigens auch einigen anderen passiert. Das mit der Mütze meine ich, nicht das mit Alfred. Ich musste die Mütze im Boot trocknen lassen, aber die Zeit reichte nicht mehr und so sah ich kurz nach der Sonntags-Kaffeetafel im Spiegel des Waschraums, dass ich einen wie zementiert festen linken Seitenscheitel hatte. Ich hätte bei den Leningrad Cowboys mitmachen können! Rainer stand am Becken nebenan und sagte nichts als ich fragte: "Ich hab ja einen Seitenscheitel!? Seit wann das denn? Warum sacht ihr denn nichts?" Der wenig eitle Rainer zuckte nur mit den Achseln.

Nach und nach löste sich unsere Gruppe wieder auf und jeder machte sich auf die Heimreise. Ich wünsche allen eine schöne Paddelsaison mit dem passenden Wetter und hoffe, Euch alle zur Adventswanderung wieder zu sehen. Das gilt natürlich auch für die Einzelmitglieder, die nicht dabei waren.

Euer Werner


Landes-Kanu-Verband Schleswig-Holstein e.V.
http://www.kanu-sh.de/