LKV

Informationen

Sie befinden sich hier:    > Verband  > Einzelmitglieder  > Aktueller Bericht 

Aktueller Bericht der Einzelmitglieder

Dann fahren wir eben jetzt schon nach Bederkesa

(Text und Fotos W. A. Münch, Brunsbüttel)

Das Jahrestreffen der schleswig-holsteinischen Einzelmitglieder, fand im Jahr 2023 beim WSV Bederkesa statt. Ursprünglich hatte ich Bederkesa nicht für dieses Jahr vorgesehen, sondern erst für 2024. Geplant und organisiert war nämlich, dass wir uns auf dem „Camp Lanker See“ treffen. Beide Vorschläge stammen von Monika und Dirk Brauer. Ich danke Euch für Eure Ideen! Ich hatte das Frühjahrsschreiben mit den ganzen Angaben zum Treffen bereits zur Druckerei gesendet, als mich Monikas erschreckende Nachricht erreichte: Man hatte dem Pächter des Platzes kurzfristig gekündigt! Es war unklar, wer den Platz übernimmt und ob es bei unserer Reservierung bleiben kann! Ich konnte den Druck des Frühjahrsschreibens nur knapp stoppen! Dann hat mir Ulrike von See, die Kanu-Wartin des WSV Bederkesa, aus der Patsche geholfen, indem sie uns kurzfristig zusagte! Vielen Dank nochmal, Ulrike! Es hatten sich etwas weniger Einzelmitglieder angemeldet als sonst. Daher war noch viel Platz auf dem Gelände und wir hätten durchaus noch eine Hüpfburg aufstellen können. Aber diejenigen, die sich angemeldet hatten, kamen fast alle schon einen oder zwei Tage früher und/oder blieben länger! Das war toll. Deswegen habe ich den offiziellen Zeitraum für die Gemeinschaftsfahrten um einen Tag nach vorne verlängert (09.06. – 11.06.2023). Mit dem Wetter hatten wir wieder ausgesprochenes Glück! Bei der Auswahl an Touren, ist man jedoch aufgrund der Lage Bederkesas, etwas eingeschränkt. Vor allem dann, wenn man nicht allzu weit paddeln möchte und auch keine Auto-Versetzaktionen machen will.

Manfreds und meine Anreise, dauerte wegen der Warterei vor der Glückstädter Elbfähre etwas länger als erwartet. Wir kamen erst auf das dritte Schiff. Das war eine knappe Stunde Wartezeit! Und die Überfahrt dauerte auch mindestens doppelt so lange wie üblich, weil volle Ebbe herrschte und das Schiff sich knapp über Grund langsam zum Wischhafener Anleger vorkämpfte und dabei irre Mengen an Schlick aufwirbelte! Es waren richtige „Kuhfladen“ dabei! Man muss inzwischen auf den Fahrpreis sogar noch einen Euro „Schlick- und Treibstoffzuschlag“ entrichten.

Reini und Annelie waren schon tags zuvor angekommen und hatten einen Schlüssel bekommen. Auch Eckhard, Jürgen und Achim waren schon vor uns da. Bald kamen Wolfgang und auch Monika und Dirk an. Manni und ich gingen später ins Dorf, um ein paar Besorgungen zu machen und da staunte ich nicht schlecht, als wir schon nach vielleicht 200 m am Restaurant „Il Salento“ vorbeikamen, wo wir am Samstag zusammen essen würden. Ganz was anderes, als die ca. 2000 m voriges Jahr in Wismar.

Gemütliche Abendrunde am Wohnwagen

Abends fanden wir uns zu unserer Abendrunde zusammen. Die Auswahl der richtigen Stelle war nicht einfach: Entweder zu schattig, oder zu windig, oder zu uneben, oder es kamen sofort die Gnitzen! Später setzten wir uns unter die Überdachung vor dem Vereinsheim. Diese Mückenart war das einzige, kaum beeinflussbare Ärgernis während des Treffens! Die Art hier, war zwischen 1 und 2 mm klein und trat in nahezu unsichtbaren Pulks auf! Hin und wieder wurde mal eine Mücke kurz sichtbar, wenn sie direkt und im richtigen Winkel von einem Sonnenstrahl getroffen wurde. Ansonsten spürte man sie überall, wo unbedeckte Haut war. Es dauerte nicht lange und die meisten Paddler hatten sich etwas übergezogen. Da die Gnitzen so klein sind, ist ihr Beißwerkzeug ebenfalls klein (aber kräftig) und reicht nicht durch Kleidung. Auch Kopfbedeckungen wurden aufgesetzt, denn die Gnitzen versuchten, durch die Haare an die Kopfhäute zu gelangen. Bei mir schien es nicht zu gelingen, aber genervt hat es dennoch! Von Eckhard und von Jürgen gab es je einen Kasten kühles Bier zum „Einstand“. Annelie und Reinhard gaben auch einen Kasten aus, weil sie einen neuen Zweier haben! Wir haben das alles gut eingeteilt und kamen so über die drei Abende damit aus. Dank Euch allen dafür!

Am Freitagmorgen machten wir unsere erste gemeinsame Tour und ich wählte die Richtung „Flögelner See“ aus. Dazu setzten wir an den Stegen des WSV am Bederkesa-Geeste-Kanal (Aue) ein. Das Wasser ist auffallend braun und stellenweise voll mit smaragdgrün schillernden „Algen“. Um welche Art es sich handelt, ist laut Vereinshomepage, bis jetzt noch nicht bestimmt worden. Hoffentlich keine Blaualgen!! Am Abzweig zum Hadelner Kanal, der Richtung Otterndorf führt, bogen wir links in den Abfluss aus dem Flögelner See ab. Am Wehr war der Ausstieg auf den Steg ziemlich hoch. Wie erwartet. Aber Wolfgang schaffte es, aus dem Boot hinauf zu klettern. Dadurch konnte er dem nächsten helfen und der dann wieder jemand und so weiter. Hier machten wir erst einmal eine Pause. Wolfgang entdeckte eine kleine Zecke an einem Oberschenkel und versuchte, sie mit einer Zeckenkarte los zu werden. Das gestaltete sich schwierig. Manfred bot Wolfgang danach „Sterilium“ an und der fragte: „Was ist das? Eine Whiskysorte?“ Das Einsetzen auf der anderen Wehrseite war dagegen ein Kinderspiel. Manfred und Wolfgang paddelten aber wieder zurück zum WSV und wir umrundeten den Flögelner See im Uhrzeigersinn. Die Sonne brannte für uns ungewohnt heftig herab. Später auf dem Rückweg, sah ich in einer Weide am rechten Ufer des Seeabflusses, etwas verdächtig leuchten und siehe da, es war ein Geocache! Den hab ich dann natürlich noch eben „geloggt“, während Eckhard wartete und die anderen weiterpaddelten. Sie ließen sich Zeit und wir konnten aufschließen. Schon gegen 14 Uhr waren wir zurück auf dem Gelände. Ich habe Brauers Jübermann dabei gehabt, aber kein GPS-Gerät. Ecki hat mit Canua mitgetrackt und wir kamen auf 19 km (bzw. 13 km für Manni und Wolfgang). Ich genoss im Schatten vor Seilers Wohnwagen ein kaltes Einlaufbier von Jürgen.

So gegen 15 Uhr kamen Nicole und Matthias mit ihrem neuen Wohnwagen nebst ebenso neuem Zugfahrzeug an. Ja und weil wir damit bis auf Helga komplett waren, rief ich zur ersten Kaffeetafel an einem Freitag auf! Das irritierte einige, aber toll war es trotzdem! Monika meinte, dass sich alte Leute halt nicht mehr so leicht umgewöhnen können und Manfred fragte: „Gibt’s hier alte Leute auf dem Platz?“ (Gelächter) Ja und während wir da im Schatten saßen und Kuchen genossen, kam Ulrike von See, um uns zu begrüßen. Einige kannten Ulrike bereits von ihrer traditionellen Vier-Seen-Fahrt und alle anderen mochten sie auch sofort. Wir unterhielten uns lange mit ihr. Ich bekam zwei „Schleusenwärter“ von ihr, damit wir die Taster an der Schleuse Lintig betätigen können. Die Schaltung und damit die Prozedur, ist aber kürzlich geändert worden. Einige kannten noch das alte Vorgehen. Da musste man in ca. 2 Meter Höhe eine kleine, tiefer liegende Taste mit dem Schraubenkopf des Holzstabs treffen. Wie wir später feststellten, geht es jetzt auch mit dem Paddel. Helga kam während des Abendbrots und brachte ihr Boot. Sie selbst würde bei einer Freundin im Ort übernachten und morgen zum Paddeln und zur Kaffeetafel wiederkommen.

Heute waren Vereinsmitglieder unter dem Vordach versammelt und so bildeten wir unsere Abendrunde wieder vor Reinis und Annelies Wohnwagen. Das nutzten die Gnitzen eiskalt aus! Die asiatische Mückenvertreibe-Räucherspirale von Nicole war praktisch wirkungslos. Unsere beiden Raucher konnten gar nicht so viel qualmen, wie es nötig gewesen wäre. Ich hatte mir auch was dickeres angezogen und die Kapuze hochgemacht. Dennoch versuchte ich mit einer gesponserten Zigarette von Christel, mir die Gnitzen vom Gesicht fernzuhalten. Mit mäßigem Erfolg. Ich bin Nichtraucher, aber ich nahm das gerne in Kauf. Ecki hat ein Mückennetz, das man über einen Hut ziehen kann. Wie fein die Maschenweite war, weiß ich nicht, aber ich denke, er hätte sein Bier und den Ramazotti von Walter durch das Netz trinken können, schon um nicht zu riskieren, dass sich Gnitzen beim Trinken darunter mogeln! Und die Getränke wären gefiltert worden. Es gab immer wieder viel zu lachen. Insbesondere Situationskomik, die sich hier leider nicht so wiedergeben lässt, wie sie aufgetreten ist. Aber Monika erzählte uns, dass Achim vormittags telefonierend vor seinem Womo stand, als ihm die Hose runterrutschte. Er war „blank“ darunter! Was für besondere Heiterkeit sorgte. Erst recht, weil es ihm kurze Zeit später zum zweiten Mal passierte und sie versuchten, diesmal einen Blick auf seine Fortpflanzungsorgane zu erhaschen! Trotz der Gnitzenplage saßen wir bis etwa 23 Uhr zusammen und hatten dann eine gute Nacht.

Samstagfrüh war es wolkig und windig. Es sah nach Regen aus, aber die Apps sagten nichts davon. Es lag Tau auf dem Gras und auf den verschiedenen Bauten unseres Habitats. Meine erste gute Tat für heute war die Befreiung einer Amsel, die sich in die Bootshalle verirrt hatte. Ich hatte schon gestern Abend, bzw. nachts, immer mal unerklärliche Geräusche gehört, wenn ich in die dunkle Halle kam. Aber erst heute früh, als der Vogel zu einem nächsten Fenster flog, entdeckte ich die Ursache. Gemeinsam mit Monika, Dirk, Reini und Annelie gelang es mir, den Vogel durch die Tür zu scheuchen.

Die sanitären Einrichtungen des Bootshauses sind ausreichend, wenn die Gruppe nicht zu groß ist. Die WC-Zellen halte ich als Normalwüchsiger nach heutigem Standard für zu klein. Das muss erst recht für einige andere Teilnehmer so gewesen sein. Man muss ein bestimmtes Schema einhalten: Tür öffnen, Hose öffnen, umdrehen, rückwärts rein, Hose runter, hinsetzen und erst dann die Tür schließen. Hinterher in umgekehrter Reihenfolge wieder raus.

Unsere heutige Fahrt sollte uns Richtung Kührstedt führen. Nach ca. 2,5 km befindet sich im Bederkesa-Geeste-Kanal die Schleuse Lintig. Da war ich gespannt drauf. Neun Einer und ein Zweier schleusten nahezu problemlos. Die neuen Schalter sehen aus wie diese handflächengroßen, leicht gewölbten, weichen Taster in den Quizshows (neudeutsch: Buzzer) und ließen sich auch aus dem Boot heraus mit einem Paddelblatt betätigen. Vor der Schleuse stand ein Storch hoch im Baum auf einem Ast, beäugte uns und vergaß vor Staunen wegzufliegen.

Eine Paddelgruppe auf dem Wasser

Der Pegel auf der Südseite der Schleuse schien mir genauso hoch wie der auf der Nordseite. Vielleicht 5 cm Unterschied. Laut Wikipedia beträgt die so genannte Fallhöhe der Schleuse tatsächlich nur 10 cm! Lohnt das? Als wir Kührstedt passierten, war uns die zurückgelegte Strecke doch noch etwas zu kurz und so paddelten wir weiter bis zur Straßenbrücke bei Kanal-km 41,5. Dort wendeten wir und machten am Jachthafen vor Kührstedt Pause. Die Sonne brannte wieder so stark. Nach diesem Morgen hatte damit niemand mehr gerechnet! Auf dem Rückweg nach Bederkesa zog sich unsere Gruppe weit auseinander. Erst vor der Schleuse kamen wieder alle zusammen. Diesmal kam es ungünstig aus, weil gerade welche „zu Berg“ drin waren, während zugleich ein anderes Boot oben schon die Schleusung angefordert hatte. Dazwischen hat Walter für uns eine Schleusung angefordert… was wir alles abwarten mussten.

Auf dem WSV-Gelände verzogen sich alle in den Schatten und tranken ein Einlaufbier. Dieses ging fast nahtlos in die Kaffeetafel über. Danach war Körperpflege angesagt und schon mussten wir uns auf den Weg zum Restaurant machen! Wir bekamen einen eigenen Raum, in dem wir uns in gewohnt hoher Lautstärke unterhalten konnten, ohne andere Gäste zu verärgern, die zudem unseren speziellen Paddler-Slang semantisch nicht einordnen können. Die Abendrunde fand unter ähnlichen Bedingungen statt, wie die gestern. Nur, dass keine Nüsse, Chips oder sonst was rumgereicht wurde, weil alle proppensatt waren. Die Portionen im Il Salento waren tatsächlich recht groß. Glücklicherweise gab heute Abend eine Flasche Ramazotti von Manfred und „Selbst-Aufgesetzten“ von Walter und Christel. Beides unbeabsichtigt verdauungsfördernd. Die arme Christel zeigte seit heute Morgen eine mit roten Pusteln übersäte Stirn. Die typischen Gnitzenbisse mit einem kleinen Krater in der Mitte! Bei mir hat das Mückenmittel anscheinend auch gegen Bisse durch Gnitzen geholfen! (Kein Wunder! Es hilft auch gegen die Ehefrau.) Der Abend war wieder sehr lustig! Schade, dass ich die vielen Scherze und witzigen Bemerkungen nicht sammeln konnte, um sie hier wiederzugeben. Aber wahrscheinlich würde das nicht so wirken, wie in der Runde.

Der Sonntag, als letzter offizieller Tag des Jahrestreffens, begann sonnig und windig. Zumindest für mich war die Nacht erholsam. Ich wollte gerne eine kürzere Strecke paddeln, weil die meisten heute Mittag abbauen und nach Hause fahren wollten. So auch Manfred und ich. Um auch den mal befahren zu haben, wollte ich den Bederkesaer See ein bis zweimal umrunden. Leider sind viele nicht mehr mitgepaddelt, weil sie schon nach ihrem Frühstück abbauen und nach Hause starten wollten, oder wegen irgendwelcher Zipperlein nicht paddeln konnten. Auf die erste Runde entgegen des Uhrzeigersinns begleiteten mich Manni, Helga, Nicole, Matthias, Walter und Jürgen. Vor allem am südlichen Seeufer sieht man in langen, zum Teil doppelten Reihen alte, verwitterte Holzpflöcke aus dem Wasser ragen. Was da wohl mal war? Am östlichen Ufer ist mit Kugelbojen ein NSG abgesteckt, das wir westlich umfahren haben. Es gibt eine stillgelegte, offene Schleuse als Verbindung zwischen dem See und dem Bederkesa-Geeste-Kanal. Die hatten wir schon am Freitag gesehen. Irgendwas hat man da aber ins Wasser gebaut. Walter und Nicole sind da heran gepaddelt und erkannten Bürsten im Wasser. So wie bei einer Fischtreppe. Mit Schwung sind sie drüber weg und durch die alte Schleuse in den Kanal rüber! Manni paddelte hinterher und knallte mit seinem schönen GFK-Boot gegen einen Doppel-T-Träger, der unter Wasser quer zwischen den Schleusenwänden steckt! Er arbeitete sich zurück und beendete die Runde seeseitig am Vereinssteg. Nur Helga, Jürgen und ich paddelten wegen der anderen Perspektiven nochmal im Uhrzeigersinn um den See. Wir bekamen sogar ein paar kleine Wellen geboten.

Dann gab es die Reste-Kaffeetafel. Ich kassierte für Ulrike die letzten Übernachtungsgelder und stempelte Fahrtenbücher. Man war sehr zufrieden mit dem langen Paddelwochenende, hier in Bad Bederkesa. Ich bedankte mich bei allen dafür, dass sie mir mein letztes offizielles EM-Treffen so schön gemacht haben. Anschließend begann auch unser Zeltausräumen und -abbauen. Wieder unter Beobachtung! Angeblich ohne heimlich Fotos von uns schwitzenden und mit der Materie hadernden Camper zu machen. Monika hat voriges Jahr in Wismar solche Paparazzi-Aufnahmen von uns gemacht! (Und jetzt auch wieder!) Der Abschied von den verbliebenen Paddlern war herzlich! Walter und Christel, Dirk und Monika und auch Wolfgang bleiben noch. Auf der Fahrt zur Fähre folgte uns Jürgen. Wir mussten heute sogar 1h 20m warten und hatten viel Zeit zum Schnacken. Dann kamen wir mit Glück als letzte und vorletzte auf die aktuelle Fähre! Dieses Mal haben Jürgen und wir weniger bezahlt, als auf der Hinfahrt. Wieder herrschte volles Niedrigwasser! Wieder dauerte die Fahrt länger als üblich. Und die Fähren waren voller Fußgänger und Radfahrer, die wohl zu den Glückstädter Matjestagen fuhren oder von dort kamen.

Mir bleibt nur, mich auch auf diesem Wege für die schönen Tage und Abende mit Euch zu bedanken!

Alles Gute und noch einen schönen Paddelsommer!

Euer Werner